Interview mit den Gewinnern Yoojung Ahn

Google Self-Driving Car

Bei der Preisverleihung in Singapur hat das Google-Team kürzlich den Red Dot: Luminary für sein Design-Konzept Google Self Driving Carerhalten. Dies ist ein Fahrzeug, das ohne menschliches Zutun autonom fährt. Der Red Dot: Luminary ist die höchste Auszeichnung im Red Dot Award: Design Concept. Als ein leuchtendes Beispiel wird dieses Konzept unter 42 Gewinnern des Red Dot: Best of the Best ausgewählt, der den besten Arbeiten in ihrer jeweiligen Kategorie vorbehalten ist. Der Red Dot: Luminary 2016 ist Inspiration und Ansporn zugleich. Zu weiteren Nominierten zählen ein smarter Sessel von Aisin Seiki, ein elektronisches Papierspielzeug von ENSCI – Les Ateliers und ein selbst fahrendes Auto der Daimler AG.

YooJung Ahn teilt mit uns ihre Gedanken über ihre Reise und jüngste Entwicklungen.

Was hat Sie veranlasst, das Google Self-Driving Car beim Red Dot Award: Design Concept einzureichen?

Als wir einen Prototypen unseres Autos entwarfen, dachten wir intensiv darüber nach, was es bedeuten könnte, ein selbstfahrendes Auto von Grund auf zu bauen. Wir mussten das Basis-Design des Fahrzeugs neu überdenken und alles andere auch, von den Grundzügen bis zur Form des Fahrzeugs. Red Dot ist ein Ort, an dem neue Design-Konzepte gefeiert werden. Und wir glauben, dass unser Projekt eine Reihe von Prinzipien verkörpert, auf denen Red Dot basiert. Da diese Technologie weltweit zum ersten Mal eingeführt wird, steht die Konstruktion von selbstfahrenden Autos im Zentrum der Aufmerksamkeit von Millionen Menschen.

Teilen Sie Ihre Erfahrung mit uns, wie das Google Self-Driving Car entwickelt wurde.

Es war anregend, mit einem leeren Blatt Papier zu beginnen und zu fragen: „Was sollte bei diesem Typ Fahrzeug anders sein?“ Wir begannen mit dem Wichtigsten: Sicherheit. Unsere Fahrzeuge haben Sensoren, die keine blinden Flecken haben. Sie können in allen Richtungen Objekte bis in etwa 200 m Entfernung ausmachen. Dies ist besonders sinnvoll auf stark befahrenen Straßen mit vielen Kreuzungen

Wir haben unsere Erfahrungen mit dem Innenraum neu überprüft. Das Design war für Passagiere und Fußgänger optimiert anstatt für den Fahrer oder die Fahrerin. Wenn niemand fährt, braucht man weder ein Lenkrad noch Pedale. Der Innenraum ist gänzlich symmetrisch, geräumig und bekommt Licht durch Panoramafenster, die die Aufmerksamkeit der Passagiere nach außen lenken. Zwei Sitze (mit Sicherheitsgurten), Platz für das Gepäck der Fahrgäste, Tasten zum Starten und Stoppen und ein Bildschirm, der die Route anzeigt – das ist es in etwa.

Wurden bestimmte Design-Ansätze verwendet, als es darum ging, die Nutzererfahrung zu erstellen?

Üblicherweise definieren die meisten Designer bei der Entwicklung eines Autos zunächst ihre Zielgruppe, untersuchen Anwendungsfälle und bewerten dann ihr Auto im Vergleich zu anderen Fahrzeugen von anderen Herstellern. Wir haben allerdings das allererste selbst fahrende Auto entworfen und konnten daher auf keine Vorgeschichte zurückgreifen. Wir sammelten Ideen und forschten, um mögliche Anwendungsfälle und Nutzererfahrungen ausfindig zu machen. Dann bauten wir erste Prototypen, um unsere Ideen zu testen. Wir entwarfen den derzeitigen Prototypen, nachdem wir eine detaillierte Design-Studie abgeschlossen hatten.

Können Sie den Design-Prozess bei Google beschreiben?

Wenn wir uns auf den Nutzer oder die Nutzerin konzentrieren, das ist unsere Überzeugung, wird alles andere folgen. Wir bringen dieses Prinzip in unseren Entwurf ein, indem wir Erfahrungen herstellen, die unsere Nutzer und Nutzerinnen gleichermaßen überraschen wie aufklären.

Worin liegt Ihrer Meinung nach der größte Vorteil des Self-Driving Car vor den von Menschen gesteuerten Autos?

Ein vollständig selbstfahrendes Auto kann jeden auf Knopfdruck von A nach B bringen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Es kann die Mobilität von Millionen Menschen verändern – etwa indem die Zahl von 1,3 Millionen Todesfälle gesenkt wird, die sich jedes Jahr auf den Straßen ereignen (94 % der Unfälle in den USA sind auf menschliches Versagen zurückzuführen). Und es können Milliarden Stunden an Lebenszeit gespart werden, die sonst im Verkehr verschwendet werden. Es ermöglicht denen, die nicht Auto fahren können, alltägliche Ziele und neue Chancen zu erreichen, von denen sie sonst ausgeschlossen wären.

Kann dieses Produkt-Design Antworten auf Herausforderungen wie ein moralisches Dilemma oder das rechtliche Umfeld geben?

Sicherheit hat bei uns oberste Priorität. Also haben wir jede Menge Sicherheiten in unserem Fahrzeug eingebaut. Selbstfahrende Autos werden niemals müde und lassen sich nicht wie Menschen ablenken. Ihre Fähigkeit, in einem Radius von 360 Grad zu sehen und gleichzeitig Hunderte von Objekte um sie herum aufzuspüren, bedeutet, dass sie in vielen Situationen schneller als Menschen reagieren und so Unfälle vermeiden können.

  • Wahrnehmen der Umgebung: Die Prototypen haben Sensoren die keine blinden Flecken haben, und sie können in allen Richtungen bis zu etwa 200 m Entfernung sehen (dadurch können die schlimmsten Unfälle verhindert werden wie durch Rotlichtfahrer zum Beispiel).
  • Überflüssige Systeme: Für größere Systeme haben wir Backups.
  • Passagier- und Fußgängerschutz: Wir testen neue Technologien, damit die Menschen innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs sicher sind. Dazu gehören ein Schaumschutz von der Front bis zum Heck und eine flexible Windschutzscheibe. Außerdem wird mit 40 km/h Höchstgeschwindigkeit die Gefahr einer schweren Verletzung verringert.

Was hat Sie zum Google Self-Driving Car inspiriert (hinsichtlich Motivation/Form/Material etc.)?

Ich wollte über das herkömmliche Fahrzeug hinausdenken und mich darauf konzentrieren, eine einfache, ehrliche, machbare und reizvolle Erfahrung für den Alltag zu gestalten. Für mich bedeutet Gestalten mehr als nur Form geben. Jedes Teil unseres Fahrzeugs sollte einen Sinn haben.

Was bedeutet es für Sie, Preisträger eines Red Dot: Luminary zu sein?

Es ist ermutigend zu erleben, dass Red Dot eine Technologie und ein Design würdigt, die beide gänzlich neu sind. Gutes Design ist ein entscheidender Teil, um selbstfahrende Fahrzeuge in diese Welt einzuführen. Unsere oberste Priorität besteht darin, sicherzustellen, dass Menschen sich angenehm und sicher in unseren Fahrzeugen fühlen. Und es ist spannend zu erleben, wie Red Dot diese Design-Prinzipien anerkennt und feiert.

Können Sie uns noch mehr über andere Entwicklungen sagen, die in der Planung sind?

Seit der Einführung unseres ersten Fahrzeug-Prototyps haben wir unser Testprogramm auf insgesamt vier Städte in den USA ausgedehnt. Und wir sind bereit, unserer Flotte weitere Fahrzeuge hinzuzufügen. Derzeit statten wir hundert neue 2017 Chrysler Pacifica Hybrid Minivans mit unseren selbstfahrenden Sensoren und der Software aus.